Vergiftet oder Arbeitslos?

für den fall, dass menschen meinen blog lesen, welche 1982 schon aktiv politik&nachrichten und fernsehen verfolgt haben, ist dieser titel bestimmt ein begriff. der titel bezeichnet eigentlich einen film, welcher im auftrag des zdf von bernward wember erstellt wurde. aufgrund von dem presserummel, welcher nach der erst- und letztmaligen ausstrahlung entstand, entstand auch das 270 seitige, a4 grosse buch, welches ich nun lesen konnte.

die ausstrahlung erfolgte nach einigem hin und her um sendezeiten, filmfassung und rahmenprogramm am 21.07.1982 um etwa 22:10 uhr im zdf. dort wurde eine 60 minuten lange fassung (orginal 97 minuten lang), unterbrochen von diskussionen, mit anschließenden und vorhergehenden unterhaltungen gezeigt. der arbeitstitel läßt nicht sofort auf den inhalt schliessen und darum sei dieser hier nun kurz umrissen.

ein älterer herr (ca. 50 jahre) sitzt mit seiner jungen tochter (ca. 30 jahre) zusammen am tisch und es wird diskutiert. thema der diskussion ist der einfluss der chemischen industrie auf die landwirtschaft. während der vater redet kommen meist einspielungen in denen ein bauer mit einem manager redet. bildlich untermalt wird dies durch einfachste symbolhafte darstellungen dessen, worüber geredet wird. der vater deckt im film also mit hilfe des bauern und des managers auf, welchen einfluss die chemie aud die natur und umwelt, im bezug auf die landwirtschaft hat. die tochter versucht zunächst noch mit argumenten den vater vom gegenteil zu überzeugen, wird aber zunehmends "kleiner" und verstummt zum ende hin vollends. der film zeigt somit aus der erklärten sicht des autors einseitig und parteiisch, dass die chemische industrie der landwirtschaft vor allem schadet. erst wird alles standartiesiert und es stellen sich durch düngung und spritzmittel gegen "schädlinge" ertragsverbesserungen ein, jedoch gerät der bauer zunehmends ins abhängigkeit der konzerne, da der natürliche regelkreislauf durchbrochen wird und er am ende gegen schadstoffresistente "schädlinge" nicht mehr ankommt und ernteausfälle hat oder seine überschüsse vernichtet werden müssen. gleichzeitig verlieren menschen bei dieser technisierung arbeitsplätze.

der ganze film is geprägt durch klare, wenige, einfache bilder mit deren hilfe die komplexen zusammenhänge einfach verständlich werden. berühmt wurde der film wohl letztendlich dadurch, dass er eine neue generation von filmen eröffnen wollte. nicht neutral, einfach verständlich und kritisch. das damals, wie heute attraktive konfliktthema brachte aber die chemische industrie auf die barrikaden und so wurde eine erneute veröffentlich des film verboten, da das zdf klein bei gab und den autor im stich ließ. nur eine stark gekürzte buch&film fassung gelangte schließlich in den handel. das buch, welches ich gelesen habe, behinhaltet die vorgeschichte (von ca. 1976) und die nachwirkungen bis etwa 1984. im anschluss daran ist die gekürzte filmfassung abgedruckt. dies geschieht durch bilder und texte, welche einen deutlichen, klaren eindruck des films hinterlassen. den letzten teil des buches bildet ein pressespiegel, welcher versucht alle wesentlichen presseartikel zum film darzustellen.

leider ist es mir bislang nicht möglich gewesen den film zu sehen, jedoch war das lesen des buches interressant und spannend. empfehlen kann ich es nur bedingt, da das thema zwar relativ aktuell ist, jedoch die handlung vor 25 jahren spielt. erstaunlich ist nur, worüber man sich damals aufregte in den medien. danken kann man wohl herrn wember, welcher ähnliche filme heute somit ermöglichte oder ihnen zumindest geholfen hat. in diesem sinne hat der film denke ich fernsehgeschichte geschrieben und könnte ruhig einmal wieder gesendet werden vielleicht im rahmen von frontal 21 oder polylux.

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