fast nackt

das hat viel spass gemacht! soviel bleibt mir ende des buches auf jeden fall zu sagen.

leo hickman ist der autor des buches "fast nackt" mit dem deutschen untertitel "mein abenteuerlicher versuch ethisch korrekt zu leben". die auflage, welche mir vorliegt und die ich gelesen habe ist vom februar 2007 und bereits die vierte.

das abenteuer des englischen journalisten leo hickman beschreibt er selbst auf ca. 300 seiten im normalen ca. a5 buchformat. beginnen tut alles mit einer bestandsaufnahme im vorwort, d.h. er zählt auf, was er ist und was nicht. dazu zählt z.b.

  • er ist fleisch
  • er duscht einmal täglich
  • er sieht viel fern
  • er geht wählen, wenn "man" es tut
  • kauft alle 14 tage gross ein
  • ist nicht ehrenamtlich aktiv
  • heizt mit gas
  • wohnt im reihenhaus
  • treibt nicht regelmäßig sport
  • usw.

im prinzip ist er ein sogenannter "otto-normal-verbraucher". ausgehend davon versucht er nun ethisch korrekt zu leben.

natürlich geht das als teil einer familie, bestehend aus frau und kind, nicht alleine, also müssen die mitziehen. damit er überhaupt merkt/weiss was genau es heißt ethisch korrekt zu leben, hohlt er sich "ethikexperten" ins haus. diese gehen mit ihm zusammen durch sein heim und analysieren alles. ausgehend von der einrichtung über gewohnheiten, bis zu lebenseinstellungen. die tips die sie dabei geben sind teils abenteuerlich (der frau wird vorgeschlagen waschbare tampons/binden zu verwenden), aber teils auch interressant (nicht verwenden des fernsehers, verwendung von waschnüssen als waschmittel).

nun beginnt der eigentliche versuch erst richtig. hickman versucht nun sich stück für stück an die ratschläge der "experten" zu halten und somit dringt das ethisch korrekte immer tiefer in seinen alltag ein.

ausgehend von einer sich selbst bereiteten "henkersmahlzeit" am vortag des experimentstarts stürzt er sich kopfüber hinein. begonnen wird beim essen. umstellung auf bio und lokal erzeugtes. da hilft die bio-kiste aus der region, welche auch schnell anklang findet. weiter geht es mit einem wurmkomposter, damit der müll reduziert werden kann. selbst eine ethische reise wird unternommen. die putzfrau wird ethisch korrekter bezahlt (auch wenn sie krank oder im urlaub ist). ein ethisch korrekter pc angeschafft. die heizgewohnheiten überprüft, die wohnung ethisch korrekt renoviert/umgebaut. zu guter letzt geht es auch den textilien und den hygeneartikeln an den kragen. es ist erstaunlich, wo man überall darauf achten kann ethisch korrekt zu sein.

was das eigentlich heißt ist übrigens schwer zu sagen. ich finde der begriff nachhaltig in kombination mit rücksichtsvoll und sozial beschreibt es recht gut.

schön war auch zu sehen, wie hickman und seine familie stets wieder an ihre grenzen stoßen oder bestimmte mir bekannte verhaltensmuster auftraten (man achtet überall und ständig auf das ethisch korrekte, alles wird hinterfragt).

eine besonders amüsante stelle möchte ich kurz zitieren. hickmans kleine tochter musste in ein krankenhaus eingeliefert werden und erst nach einigen schuttelkrämpfen und bewusstlosigkeiten der kleine, wurde eine korrekte diagnose gestellt, welche dann mit dem entsprechenden mittel schnell behandelt wurde. danach haben sich hickman und seine frau gedanken darüber gemacht, wie sie hätten diesen fall ethisch korrekt lösen können. dazu meint hickman nur kurz und rabiat, aber wohl so, wie alle eltern denken: "Wenn einer von ihnen [den Ärzten] zu mir gekommen wäre und gesagt hätte: ‚Ich muss Ihnen mitteilen, dass wegen dieses Antibiotikums über tausend Ratten einen qualvollen Tod erlitten haben.‘, dann hätte ich trotzdem geantwortet: ‚In Ordnung, geben Sie es ihr.’" einfach ehrlich und wohl die einzig zu erwartende antwort.

zwischendrin sind immer wieder, teils kommentierte, briefe abgedruckt, welche hickman während seines öffentlichen (im internetblog) versuches erhalten hat. diese kommen aus aller welt und haben zwar teils sehr fragwürdige vorschläge (kinder in die welt setzen ist unethisch, da sie resourcen verbrauchen und wir eh schon zu viele menschen sind), sind aber größtenteils ermutigend und ebenfalls nett zu lesen, da es offensichtlich allen so geht, welche sich dem versuch stellen.

ich kann das buch absolut empfehlen. ich selbst achte seit dem noch mehr auf mein leben bzw. dessen wirkung. versuche noch weniger auto zu fahren, esse nur noch ethisch korrektes fleisch, will mir nen bio-eimer hinstellen und mal sehn was noch. das buch ist einfach eine super unterstützung oder anstoßpunkt für solche, die versuchen ethisch zu leben oder es besser tun sollten 😉

also: lesen und handeln!

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