Wie informiert das Fernsehen?

Auch wenn das beenden des Lesevorganges meinerseits nun schon einige Wochen zurückliegt, so möchte ich euch das Ergebnis doch nicht vorenthalten. Es ist ja schließlich auch schon wieder einige Tage her, da ich euch von einem Buch, welches mir vorliegt und ich durchgelesen habe erzählte.

Das Buch der Stunde ist also mit dem Titel ausgestattet worden „Wie informiert das Fernsehen?“. Die heutzutage als RTL2-look-a-like-Untertitel laufende Unterschrift zum Buch lautet „Ein Indizienbeweis“. Der durchaus umstrittene Autor des Buches ist Bernward (!) Wember. Der aufmerksame Leser hat vielleicht gemerkt, dass dies nicht das erste Buch von ihm ist, was ich gelesen habe und auch die Thematik ist durchaus ähnlich.

Hintergrund des Buches ist die erschreckende Bilanz von z.B. Dokumentationen, was den Informationsgehalt bzw. die Menge an Informationen betrifft, welche mensch nach dem Ansehen einer solchen im z.B. Fernsehen behält. Das Buch selbst ist „nur“ die Buchform einer Sendung, welche zu diesem Thema vom Autor erstellt und Ende 1975 im ZDF ausgestrahlt wurde. So enthält es vor allem viele Bilder und Bild zu Filmzeit Darstellungen mit erklärenden und ergänzenden Texten. Am Ende, denke ich, hat mensch den Beitrag quasi etwas genauer im Fernsehen gesehen und auf jeden Fall verstanden.

Der Film beginnt mit der Analyse eines normalen „Informationsfilms“ und stellt fest, dass nur etwa 20% der Zuschauer wesentliche Informationen verstanden und behalten haben, obwohl 80% angegeben haben der Film wäre informativ und verständlich gewesen. Diese 60% Lücke hat der Autor nun näher untersucht und die Ursachen, wie ich finde brillant dargestellt und anschließend sogar gezeigt, wie es besser gehen kann.

Die Thematik des untersuchten Films ist der damals durchaus aktuellere Nordirlandkonflikt. Untersucht wurden z.B. die Kombinationen von gesprochenem Text und Musik zu gezeigten Bildern. Ebenso die Dauer der Bilder oder Videos, welche gezeigt wurden, jeweils sortiert nach ihrem Inhalt. Darüber hinaus wurde analysiert ob sich ein Videoausschnitt bewegt oder eher ein Standbild zeigt. Es konnte festgestellt werden, dass der „gemeine“ Zuschauer eher abgelenkt als informiert wird, da ihm eine Vielzahl von Bildern und Einstellungen in erdrückend kurzer Zeit gezeigt werden. Das ganze wird noch hektischer durch wilde Kamerafahrten oder Zooms. Alles was damit erreicht wird ist quasi ein Induktionseffekt. Das heißt aus der Kombination von gesprochenem Text und Musik zu Bild wird etwas suggeriert. Niemand spricht es aus, aber es kommt doch klar für jeden rüber. Somit wird der Zuschauer ohne, dass er es merkt auf die „Meinungsseite“ des Filmerstellers gezogen und die neutrale Information ist dahin.

Der zweite Teil des Buches befasst sich dann mit dem Entwurf einer Informationssendung, wie sie sein könnte/sollte. Einfache klare Formen und Symbole in Kombination mit Text, welcher zu den Bildern passt. Auch wenn diese Art der Information sicher nicht dem klassischen heutigen Bild vom Fernsehen entspricht, so finde ich doch, dass man dabei auf jeden Fall viel lernt und auch nicht den Eindruck hat, mit seiner Meinung in eine Ecke gezogen zu werden.

Der letzte Teil des Buches befasst sich dann mit Arbeitsmaterialien zum Film, welcher damals ausgestrahlt wurde und ist somit für den gemeinen Leser eher uninteressant.

Ich finde das Buch durchaus lesenswert, sofern man sich dafür interessiert, wie damals und ich denke auch viel noch heute ein bestimmter Bereich im Fernsehen gemacht wird. Die rund 130 Seiten sind schnell durchgelesen und man ist danach auf jeden Fall mal wieder kritischer im Umgang mit der täglichen Berieselung durch die Medien, was ja schon alleine ein Gewinn ist. Darüber hinaus gehören solche oder ähnliche Bücher hoffentlich zum Stoff den angehende „Fernsehmacher“ lesen und daraus lernen oder sonst hoffentlich beim privaten Einheitsbrei der Sender landen und nicht die Möglichkeit bekommen uns vom öffentlich, rechtlichen Podest her zu „quälen“.

Kommentar verfassen