War Against People

Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, dann bekam ich das Buch letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt. Vielleicht war es auch zum Geburtstag des vergangenen Jahres, doch das soll hier nicht die Rolle spielen. Durchgelesen habe ich es bereits vor ca. 6 Monaten, doch wie die Zeit es wollte, schaffe ich leider erst jetzt mal darüber zu bloggen.

Noam ChomskyDer Autor des Buches ist Noam Chomsky und vielleicht dem ein oder anderen ein Begriff. Mir war er vorher nur aus Büchern anderer Autoren bekannt und so kam es auch, dass ich mal ein Buch von ihm selbst lesen wollte. Laut seinem deutschen Wikipedia Eintrag bzw. dem dort “zitierten” Arts and Humanities Citation Index (Ein Blick darein lohnt sich in jedem Fall, denkt man doch eher nicht, wer da in den Top 10 ist.) war er zwischen 1980 und 1992 die meist zitierte lebende Person der Welt! Ich fand ein Grund mehr, mal ein Werk von ihm zu lesen.

Das Buch “War Against People” trägt übrigens im deutschen den Untertitel “Menschenrechte und Schurkenstaaten”. Das zeigt dem kundigen Leser schon ein wenig die Richtung, in die das Buch geht. Der, der politischen Linken zugeordnete, Autor schreibt in dem Buch, welches im September 2001 auf den Markt kam also schon vorher fertig war, über die wohl eigentlich größten Schurkenstaaten (in dem Fall natürlich die USA) und ihren Umgang mit den Menschenrechten.

Das Buch unterteilt sich im inhaltlichen (textlichen) Teil in sieben Abschnitte. Beginnen tut es mit der Frage, wer denn eigentlich die Schurkenstaaten sind. Interessant finde ich die Tatsache, dass der Begriff hier verwendet wird, obwohl das Buch erst nach dem 11.09.2001 erschienen ist. Ob es sich dabei um eine nachträgliche Übersetzungsidee handelt weiß ich allerdings nicht.

In diesem ersten Teil wird zunächst also der Frage nachgegangen, wer vielleicht und warum ein Schurkenstaat ist. Diese Überlegung wird im zweiten Teil sachlich versucht zu untermauern. Dabei wird vor allem der Begriff selbst aus Sicht der USA definiert und ihrem eigenen Verhalten gegenübergestellt.

Bei sämtlichen Verhalten nimmt N. Chomsky Konflikte der letzten 50 Jahre (ausgehend von 2001) unter die Lupe. Somit ist von größeren bzw. bekannteren Dingen, wie dem ersten Irak-Krieg oder dem Vietnam-Krieg die Rede. Ebenso kommen aber auch, zumindest mir, fast unbekannte Themen zum sprechen, wie der Indonesien-Konflikt, welcher immerhin indirekt bis fast 1999 andauerte.

Er setzt dabei das Verhalten der USA bzw. ihrer Verbündeten in diesen Konflikten ins Verhältnis zu den Aussagen ihrer Sprecher und z.B. der UN-Charta oder anderen international offiziell gültigen Dokumenten/Einigungen oder ähnlichem. Schon krass, wenn man dabei so manche offizielle Äußerung der V. Staaten lesen muss/kann. Da ist schon irgendwie sowas wie eine Generalentschuldigung wie vom Vatikan nötig, damit vergangene Verbrechen erkannt und so wenigstens ein Stück verbüßt werden.

Bei seinen Vergleichen/Äußerungen verwendet Noam Chomsky fast ständig direkt Zitate von Politikern/Machthabern, was besonders beeindruckend/angsteinflößend wirkt. Ebenfalls gut gefallen haben mir die Zusammenfassungen am Ende jedes Kapitels, die alles oftmals nochmal auf einen Nenner bringen, was vorher mit Aussagen und Fakten untermauert wurde.

Das dritte Kapitel widmet sich dann dem Verhältnis zwischen Kuba und den USA. N. Chomsky beginnt das Kapitel mit folgenden beiden Sätzen:

Kuba und die Vereinigten Staaten haben, was die internationalen Beziehungen angeht, einen ganz eigenartigen – faktisch sogar einzigartigen – Status. Es gibt keinen vergleichbaren Fall, in dem eine Macht gegen eine andere – hier die größte Supermacht gegen ein kleines Drittweltland – in so unnachgiebiger Weise vierzig Jahre lang mit Terror und ökonomischer Kriegsführung vorgegangen wäre.

Schon eine verlockende Eröffnung fand ich und auch der Inhalt des Kapitels ließ mich so manches Detail dieser ungleichen “Freunde” neu erfahren bzw. Hintergründe begreifen.

Dem kurzen dritten Abschnitt folgt dann das vierte Kapitel mit dem Titel “Jubeljahr 2000”. Darin geht es um den für dieses Jahr geplanten Schuldenerlass an die Länder der sogenannten dritten Welt. Durchaus gut und aus einer interessanten Perspektive beleuchtet Noam Chomsky die Ursachen der Verschuldung und die Resultate des “Erlasses” der Selbigen.

Daran anschließen tut sich ein Buchabschnitt, welcher sich mit dem Weg zur vollständigen und echten Wiederherstellung der Menschenrechte, befaßt. Hier wird auf die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Änderungen eingegangen, welche erforderlich sind, damit eine neue Ordnung, gemäß dem Autor, hergestellt  werden kann. Diese neue (sozialere) menschliche Ordnung ist schwer zu erreichen, jedoch sagt N. Chomsky auch:

Wir müssen die allgegenwärtigen Leiden und Ungerechtigkeiten ebensowenig hinnehmen wie die Aussicht auf gewaltige Katastrophen, die eintreten werden, wenn die Menschheit aus dem Weg, den sie eingeschlagen hat, verbleibt.

Dieser neuen Ordnung steht vor allem eines im Wege und das ist der kriegerische Charakter des Menschen, welchen der Autor im nun folgenden Abschnitt “Die Erblast des Krieges” eindrucksvoll beleuchtet. Dabei geht er zurück zu den Wurzeln kriegerischer Auseinandersetzungen. Ins echte, alte Europa der Kreuzzüge und Eroberungskriege. Das Kapitel ist menschlich und geschichtlich wohl mit das Interessanteste. Ich würde sogar soweit gehen, dass ohne die darin erwähnten Grundlagen des menschlichen Handelns eine neue, wie auch immer geartete, menschlichere Weltordnung nicht existieren kann.

Das sich nun anschließende letzte Kapitel beleuchtet das Problem der staatlichen Souveränität. Damit einher geht also das Verhältnis der Staaten untereinander. Welche Rolle, welchem Staat zukommt und warum. Dazu möchte ich noch ein letztes mal aus dem Buch direkt zitieren. Die letzten Worte Noam Chomskys im Buch sind nämlich:

Es vermag nicht zu überraschen, dass die Zerschlagung der nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten Wirtschaftsordnung von einem entschiedenen Angriff auf die Demokratie – Freiheit, Souveränität, Menschenrechte – begleitet wurde. Der Schlachthof dieses Angriffs lautete und lautet: Es gibt keine Alternative. Das klingt wie eine Parodie auf den Vulgärmarxismus. Der Schlachtruf ist natürlich reiner Selbstbetrug. Die sozioökonomische Ordnung, die jetzt von oben verfügt wird, ist das Ergebnis der Entscheidungen von Menschen, die in von Menschen geschaffenen Institution wirken. Die Entscheidungen können widerrufen, die Institution verändert werden. Sollte es sich als notwendig erweisen, kann sie zerschlagen und ersetzt werden. Das haben aufrechte und mutige Menschen im Lauf der Geschichte immer wieder vollbracht.

Das ist nun klar als Aufruf zu verstehen. Widersage dem “Bösen”! Schluss mit dem “das haben wir schon immer so gemacht”! Ich denke hier muss vor allem die Geschichte den Menschen (einschließlich dem Autor) recht oder unrecht zusprechen.

Ich glaube fest daran und versuche ganz nebenbei auch so zu handeln, dass die Menschen sich nicht alles gefallen lassen werden und eine neue Weltidee/-ordnung näher ist, als viele es wahrhaben wollen. Wie diese aussehen wird und was bis dahin passieren muss/wird, dass male ich mir lieber nicht aus, selbst, wenn ich es könnte. Vielmehr schaue ich frohen Mutes in die Zukunft und freue mich auf eine bessere, menschlichere, sozialere Welt, in der vielleicht schon ich aber zumindest hoffentlich doch meine Kinder und Kindeskinder leben werden!

Was man dazu brauch? Ein wenig Mut, Menschlichkeit, Tatendrang und Gottvertrauen. Auf geht’s Zukunft, ich lache dir ins Gesicht!

Spätestens jetzt sollte klar sein, dass Buch lohnt sich. Mit ein wenig Abstand gelesen und für sich persönlich ausgewertet, beinhaltet es viele brauchbare Informationen, welche einem bei der Meinungsbildung über die Welt(-politik) helfen können.

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